Eine Alternative zu Google?

Graswurzel-Revolution im Internet, die zweite. Was bereits einmal gelang im Bereich Wissen, lässt sich möglicherweise auch auf die Suche im Internet übertragen. Dies ist zumindest das Konzept von Jimmy Wales, Gründer der Online-Enzyklopädie Wikipedia. In einer beispiellosen Erfolgsstory, wie sie nur das Internet schreiben kann, hat Wikipedia binnen weniger Jahre das Wissen aus den Händen weniger in basisdemokratischer Manier an das Volk weitergereicht. So ist das sogar in lateinischer Sprache verfügbare Internet-Lexikon längst zur ersten Adresse geworden, wenn es darum geht, Wissensfragen rasch und zuverlässig zu klären. Daran können auch immer wieder auftauchende Berichte über angebliche Unzulänglichkeiten in der Qualität einzelner Artikel nichts ändern, zumal Wikipedia-Inhalte keineswegs in Stein gemeiselt sind. Ganz im Gegenteil ist es geradezu die größte Errungenschaft dieses Systems, extrem leicht aktualisierbar zu sein und damit viel eher Schritt halten zu können mit unserem sich in immer schnelleren Zyklen vervielfältigendem Wissen. Ebenfalls schlüssig erscheint die Grundidee, dass viele Köpfe mehr wissen als wenige. Vorbei also die Zeit, in der Britannica oder Brockhaus im Regal ein Abo darauf war, mitreden zu können.

Diese Idee also nun in die Welt der Suchmaschinen zu übertragen ist das jüngste Projekt von wikia.com, Wales´ Firma. Dass die Suchmaschinenbetreiber, allen voran Google, diese Idee kennen und wohl auch ernstnehmen, dafür mag das ebenfalls jüngste Vorhaben Googles mit dem Namen “Knol” genug Beleg sein, der Versuch also, umgekehrt in die Welt des Wissens einzudringen und damit - ganz in Schachspielermanier - die Feste Wikipedia anzugreifen.

Zugegebenermaßen ist die Idee einer “demokratischen” Suchmaschine, die nicht in der Hand eines auf Gewinn ausgerichteten Konzerns ist, verlockend:

“Ich will eine Suchmaschine entwickeln, deren Algorithmus jedem zugänglich ist. Und ich will jede Entscheidung von der Gemeinschaft treffen lassen. Fragen wie: Wann blockiert man eine Seite, ab wann ist etwas Spam, wie bewertet man generell die Qualität einer Seite? (…) Ganz einfach, wenn Sie die Suchmaschine benutzen und mit dem Ergebnis nicht zufrieden sind, weil die zuoberst angegebene Seite inhaltlich schlecht ist, können Sie die Seite als Spam markieren. Wenn die Seite von drei oder vier weiteren Leuten ebenfalls so markiert wird, dann wird sie entfernt. So kann man nach und nach die Suchmaschinen verbessern.” (J. Wales in einem ZEIT-Interview)

Die Diktatur der Masse scheint Jimmy Wales dabei weit weniger zu fürchten und beruft sich auf die Ausgewogenheit seiner Online-Enzyklopädie. Bleibt abzuwarten, ob das Projekt Wikia das schaffen kann, was die Millionen von Yahoo und MSN bisher nicht geschafft haben, einen Gegenpol zum Quasi-Monopolisten unter den Suchdiensten zu bilden. Die Möglicheit dazu liegt ja jetzt - in der Hand der Benutzer.

One Response to “Eine Alternative zu Google?”

  1. SEO blog » Blog Archive » Wird Google demokratisch? Says:

    […] Ähnlich wie beim Konzept von Wikipedia-Gründer Jimmy Wales´ Suchmaschine Wikia, um die es seit dem Launch zu Beginn des Jahres eher ruhig geworden ist, lässt Google neuerdings angemeldete Benutzer in einem neuen Feature namens SearchWiki auf seiner  amerikanischen Version Einfluss auf die Suchergebnisse nehmen. Ob dieses Feature auch über dne Atlantik nach Europa schwappen soll, ist noch nicht bekannt. […]

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